Informationen zur Versorgungsforschung

    Definitionen der Versorgungsforschung

    Zentrum für Versorgungsforschung Köln (ZVFK) Medizinische Fakultät der Universität zu Köln – Leitung: Prof. Dr. Holger Pfaff

    Aufgabe der Versorgungsforschung ist es, durch ein wissenschaftlich fundiertes Vorgehen Versorgungsdefizite zu identifizieren, an der Entwicklung bzw. Umsetzung neuer Versorgungskonzepte mitzuwirken und ihre Wirksamkeit zu evaluieren.

    Die Untersuchung des Versorgungsbedarfs (Input), der Versorgungsstrukturen bzw. -prozesse (Throughput), der erbrachten Versorgungsleistungen (Output) und des Zugewinns an Gesundheits- bzw. Lebensqualität (Outcome) sowie die unmittelbar gesundheitspolitische Entscheidungsrelevanz der Forschungsergebnisse sind Kennzeichen der Versorgungsforschung. (siehe auch Systematik / Komponenten der Versorgungsforschung)

    Versorgungsforschung - Ergebnisse der gemeinsamen Förderung durch das BMBF und die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen (2000 – 2008), S.3:

    Versorgungsforschung ist ein breites und heterogenes Feld, das von der Messung der Wirksamkeit einzelner Behandlungsarten unter Alltagsbedingungen bis zur Gesundheitssystemforschung und Forschung zur Gesundheitsökonomie reicht.

    Versorgungsforschung aus Sicht des VFA (Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V.), Stand 27.01.09
    Versorgungsforschung beschreibt, analysiert und interpretiert die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung unter Alltagsbedingungen. Sie untersucht Defizite und Fehlentwicklungen, erarbeitet Versorgungskonzepte, setzt diese um und evaluiert sie. Versorgungsforschung liefert damit die Grundlage für eine nachvollziehbare und zukunftsfähige Gesundheitspolitik, die auf die Herausforderungen des demografischen Wandels und der Finanzierung des medizinischen Fortschritts Antworten finden muss.

    Systematik der Versorgungsforschung

    In der amerikanischen health services research hat sich zur Untersuchung des Gesundheitssystems das „input – throughput – output – outcome“-Modell bewährt.

    Im Rahmen dieser Systematik lassen sich verschiedene Forschungsgebiete der Versorgungsforschung unterscheiden:

    Die Input-Forschung untersucht alle Einflussfaktoren, die den Eintritt in das System bedingen (z. B. Versorgungsbedarf, Inanspruchnahmeverhalten und dessen Barrieren [z. B Compliance, Patiententypen]) oder die Voraussetzungen für die Versorgung darstellen (z. B. Weiterbildung der Ärzte).

    Die Throughput-Forschung untersucht die organisatorischen, diagnostischen und therapeutischen Strukturen und Prozesse (z. B. Wartezeiten, Schnittstellen, OP-Management, Implementierung und Anwendung von Leitlinien, „shared decision making“ partizipative Entscheidungsfindung, Einfluss der Arzt-Patient-Beziehung auf das Versorgungsgeschehen, Versorgungsketten und klinische Pfade).

    Die Output-Forschung untersucht die unmittelbar erbrachten Versorgungsleistungen (z. B. Diagnosen, Eingriffe), unabhängig von ihrer Wirkung auf das Outcome. Die Outcome-Forschung untersucht das Erreichen des eigentlichen gesundheitlichen Zieles. Hierzu gehören kurzfristige Ziele (z. B. Wundheilung) ebenso wie langfristige Ziele (z. B. Lebenserwartung, Lebensqualität).

    Komponenten der Versorgungsforschung

    in der Versorgungsforschung können Grundlagenforschung und Anwendungsforschung unterschieden werden.

    Die Grundlagenforschung zielt darauf ab, fundamentale Erkenntnisse über individuelles und institutionelles Verhalten im Versorgungssystem zu gewinnen, die kurzfristig nicht praktisch verwertbar sein müssen und / oder die von krankheits- und versorgungsübergreifender Bedeutung sind.

    Die anwendungsorientierte Versorgungsforschung dagegen geht Fragen nach, die von sofortigem praktischem Interesse sind.

    Untersuchungsgegenstand der Versorgungsforschung ist die “Effectiveness”, der Nutzen unter Alltagsbedingungen. Darüber hinaus wird der Untersuchungsgegenstand im Rahmen des gesamten Behandlungsprozesses betrachtet.
    Im Gegensatz dazu wird im Rahmen von klinischen Studien die “Efficacy” (klinische Wirksamkeit) unter kontrollierten Studienbedingungen analysiert.


Quellen

Arbeitskreis „Versorgungsforschung“ der Bundesärztekammer: Definition und Abgrenzung der Versorgungsforschung [Stand September 2004]

H. Pfaff (2003): Versorgungsforschung - Begriffsbestimmung, Gegenstand und Aufgaben. In: Pfaff, Schrappe, Lauterbach u. a. [Hrsg.]: Gesundheitsversorgung und Disease Management. Verlag Hans Huber, Bern u. a.,
13-23

M .Schrappe (2005) Memorandum II zur Versorgungsforschung in Deutschland „Konzeptionelle, methodische
und strukturelle Voraussetzungen der Versorgungsforschung"